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Mittwoch, 29. Juli 2015

Aktuelle "Sozialpolitik" meldet: Immer diese Zahlen. Wie wäre es mit dieser hier: "10.000 Lehrer/innen werden heute arbeitslos".

"10.000 Lehrer/innen werden heute arbeitslos". Lehrer und arbeitslos? Wie kann das sein? Und dann bezieht sich sich diese Zahl nicht auf die EU oder auf Deutschland insgesamt, sondern auf das Ländle, formal als Baden-Württemberg bekannt. Behauptet jedenfalls die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und die muss es ja wissen: http://www.gew-bw.de/…/10000-lehrerinnen-werden-heute-arbe…/. Hier die Auflösung:
»In Baden-Württemberg beginnen heute für etwa 1,6 Millionen Schüler/innen die Ferien und für gut 10.000 Lehrer/innen die Arbeitslosigkeit. Etwa 7.000 Referendar/innen und 3.000 befristet angestellte und für Krankheitsvertretungen eingesetzte Lehrkräfte werden zum Ferienbeginn von der Landesregierung entlassen, obwohl die meisten von ihnen im neuen Schuljahr wieder unterrichten werden.«
Eine Vorgehensweise, die übrigens auch in anderen Bundesländern, beispielsweise Rheinland-Pfalz, praktiziert wird. Dabei gibt es andere Bundesländer, die das nicht (mehr) machen.
Natürlich kann man die von der GEW für Baden-Württemberg genannte Zahl von 10.000 auch kritisch sehen, denn hier werden zwei Gruppen in einen Topf geworfen, deren Lage dann aber doch eine unterschiedliche ist - die GEW weist darauf in ihrer Pressemitteilung auch ehrlicherweise zumindest unterhalb der Überschrift auch hin: »Die meisten der fertigen Referendare können sich wenigstens angesichts der vergleichsweise guten Lehrereinstellung am September über eine Stellenzusage freuen.« Dann werden die meisten von den meisten normal eingestellt, viele auch verbeamtet. Und ein Vergleich mit anderen Arbeitnehmern, wie von der GEW vorgenommen, hinkt natürlich auch ein wenig angesichts der Tatsache, dass für die normalen Arbeitnehmer der gesetzliche Urlaubsanspruch - nun ja - ein wenig geringer ausfällt als die Schulferien. Aber das wäre ein ganz eigenes Thema.
Anders hingegen die Situation für die angestellten Lehrer, die teilweise über Jahre in der Vertretungsschleife hängen und dann immer in den Sommerferien entlassen und kostenmäßig in die Arbeitslosenversicherung bzw. teilweise sogar in die Grundsicherung sozialisiert werden. Her hat sich eine exzessive Befristungspraxis entwickelt, die mehr als fragwürdig ist.