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Mittwoch, 23. Oktober 2013

Kristallnacht 1) Es kommt vor, daß ich meine, daß etwas klirrt, daß sich irgend etwas in mich verirrt. Ein Geräusch, nicht einmal laut, manchmal klirrt es vertraut, selten so, daß man es direkt durchschaut. Man wird wach, reibt die Augen und sieht in einem Bild zwischen Brueghel und Bosch keinen Menschen, der um Sirenen etwas gibt, weil Entwarnung nur halb soviel kostet. Es riecht nach Kristallnacht. TOPPOP: BAP - Kristallnaach


Kristallnacht

1)
Es kommt vor, daß ich meine, daß etwas klirrt,
daß sich irgend etwas in mich verirrt.
Ein Geräusch, nicht einmal laut,
manchmal klirrt es vertraut,
selten so, daß man es direkt durchschaut.
Man wird wach, reibt die Augen und sieht
in einem Bild zwischen Brueghel und Bosch
keinen Menschen, der um Sirenen etwas gibt,
weil Entwarnung nur halb soviel kostet.
Es riecht nach Kristallnacht.
2)
In der Ruhe vor dem Sturm - was ist das?
Ganz klammheimlich verläßt wer die Stadt.
Honoratioren inkognito hasten vorbei
- offiziell sind die nicht gerne dabei,
wenn die Volksseele - allzeit bereit -
Richtung Siedepunkt wütet und schreit:
"Heil - Halali" und grenzenlos geil nach Vergeltung brüllt,
zitternd vor Neid in der Kristallnacht.
3)
Doch die alles, was anders ist, stört,
die mit dem Strom schwimmen, wie es sich gehört,
für die Schwule Verbrecher sind,
Ausländer Aussatz sind, brauchen wer, der sie verführt.
Und dann rettet keine Kavallerie,
kein Zorro kümmert sich darum.
Der pisst höchsten ein "Z" in den Schnee
und fällt lallend vor Lässigkeit um:
"Na und? - Kristallnacht!"
4)
In der Kirche mit der Franz Kafka-Uhr,
ohne Zeiger, mit Strichen darauf nur,
liest ein Blinder einem Tauben Struwwelpeter
vor hinter dreifach verriegelter Türe.
Und der Wächter mit dem Schlüsselbund hält
sich im Ernst für so etwas wie ein Genie ,
weil er Auswege pulverisiert und verkauft gegen Klaustrophobie
in der Kristallnacht.
5)
Währenddessen, am Marktplatz vielleicht,
unmaskiert, heute mit einem wahren Gesicht,
sammelt Steine, schleift das Messer,
auf die, die schon verpetzt,
probt der Lynch-Mob für das jüngste Gericht.
Und zum Laden nur flüchtig vertäut
- die Galeeren stehen längst unter Dampf -
wird im Hafen auf Sklaven gewartet,
auf den Schrott aus dem ungleichen Kampf
aus der Kristallnacht.
6)
Da, wo Darwin für alles herhält,
ob man Menschen vertreibt oder quält, da,
wo hinter Macht Geld ist, wo stark sein die Welt ist,
von Kuschen und Strammstehen entstellt.
Wo man Hymnen auf dem Kamm sogar bläst
in barbarischer Gier nach Profit,
"Hosianna" und "Kreuzigt ihn!" ruft,
wenn man irgendeinen Vorteil darin sieht,
ist täglich Kristallnacht.

Rechte Hooligans mit Mafiamethoden! "Das war heute euer letztes Spiel!" Nach der Drittliga-Partie zwischen dem MSV Duisburg und Saarbrücken prügeln Rechtsradikale auf Mitglieder der Ultra-Gruppe "Kohorte" ein. Der Vorfall zeigt, wie die Rechten in Duisburg die Fanszene mit körperlicher Gewalt einschüchtern. Von Christoph Ruf

"Für Integration, Respekt & Toleranz" - so lautete der Aufdruck eines Transparentes, das die Spieler des MSV Duisburg vor Anpfiff der Partie gegen den 1. FC Saarbrücken (3:3) präsentierten. Dem Vernehmen nach applaudierte das ganze Stadion. Knapp zwei Stunden später überfielen etwa zwei Dutzend Hooligans und Neonazis die Duisburger Ultragruppe "Kohorte", die sich für genau diese Werte einsetzt. Und das direkt am Stand des Fanprojekts, dort, wo nach dem Spiel Hunderte MSV-Fans zu ihren Fahrzeugen gehen.
"Ich gehe seit 23 Jahren zum MSV. Das war das Schlimmste, was ich je gesehen habe", sagt ein Augenzeuge: "Die haben auf eine Frau eingetreten, die am Boden lag."

Weiter lesen? Klick den Link.....
http://www.sueddeutsche.de/sport/attacke-auf-duisburger-fans-rechte-hooligans-mit-mafiamethoden-1.1801265 

Dienstag, 22. Oktober 2013

Pressestelle Wendenstraße 6, 20097 Hamburg t: 040-3892164 f: 040-43 09 70 28 presse@die-linke-hamburg.de


Für Rückfragen: Martin Wittmaack, Tel. 0176 600 22 592
presse@die-linke-hamburg.de
Hamburg, den 21. Oktober
Kundgebung am Rande der Jobmesse
im Terminal Tango
Am 24.10.2013 findet die nächste sogenannte „Jobmesse“ im alten Charterterminal und
heutigen Airport Terminal Tango statt. Was Arbeitssuchende in diesem stilvoll gehaltenen
Umfeld finden, sind erneut mehr als 100 Anbieter, meist aus der Zeitarbeitsbranche,
die hier ihre Offerten machen. Dieser Begriff ist missverständlich, da die Arbeitssuchenden
oft nicht freiwillig hier sind, um sich die angebotenen Arbeitsplätze anzusehen. Sie
können vom Jobcenter unter Androhung von Sanktionen gezwungen werden, die Jobmesse
zu besuchen. Die meisten Besucher kommen daher auch nur unter der Sanktionsbedrohung.
Fast alle der hier offerierten Angebote sind zudem in der Leiharbeit und
sind mit den damit verbundenen Nachteilen (Unsicherheit, schlechte Bezahlung,
schlechte Arbeitsbedingungen, Zuweisung u.U. im Rahmen von übergeordneten Werkverträge
etc.) für die Beschäftigten belastet.
Die Partei DIE LINKE wird mit weiteren Bündnispartnern gegen diese Messe eine Kundgebung
und Demonstration direkt zur Messezeit vor dem Terminal Tango veranstalten.
Hierzu erklärt der Versammlungsleiter Horst Schneider, Mitglied der Fraktion DIE LINKE in
der Bezirksversammlung Altona folgendes:
„Die Menschen wollen keine solchen „Jobs“, wie sie auf dieser Veranstaltung angeboten werden.
Die meisten der hier angebotenen Jobs sind in der Leiharbeit zu schlechten Bedingungen.
Wir wollen stattdessen Angebote für reguläre, gut und angemessen bezahlte unbefristete
Beschäftigungsverhältnisse. Gleicher Lohn soll für gleiche oder mindestens vergleichbare Arbeit
gelten, egal ob Frau oder Mann.
Ich rufe als Versammlungsleiter alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer dazu auf, die Leiharbeitsmesse/
Jobmesse am Flughafen Hamburg am 24.10. mit Informationen zu begleiten und
nach Möglichkeit die Besucherinnen und Besucher dazu einzuladen, den Erfolg der Messe
durch ihr entsprechendes kritisches Verhalten einzuschränken.
Wir werden gemeinsam die Messe bunt, lautstark und kreativ, begleiten.“
Zum Hintergrund:
Im Rahmen der Leiharbeit (Arbeitnehmerüberlassung, Zeitarbeit) stellt der Arbeitgeber den Arbeitnehmer
für eine bestimmte Zeit eine Dritten zur Arbeitsleistung zur Verfügung. Der Arbeitgeber ist
dabei der Verleiher (Zeitarbeitsunternehmen), der Dritte ist der Entleiher, der Arbeitnehmer ist der
Leiharbeitnehmer.
Im Rahmen des Bezugs von Leistungen nach dem SGB II (Hartz-IV) wird die Leiharbeit bisher
grundsätzlich als zumutbare Erwerbsarbeit angesehen. Voraussetzung ist, dass die gesetzlichen Regelungen
des Arbeitsnehmerüberlassungsgesetzes sowie etwaige tarifvertragliche Bestimmungen
eingehalten werden. Für die Unzumutbarkeit (§ 10 Abs. 1 SGB II) einer Tätigkeit gelten die gleichen
Kriterien wie bei sonstiger Erwerbsarbeit.

Wilder Streik bei Walmart!

18. Oktober 2013, Miami/Florida - 80 Arbeiterinnen legen spontan die Arbeit nieder, um gegen ihre niedrigen Löhne und ihre schlechte Behandlung durch das Management zu protestieren.
 "Wir arbeiten hier für 3 oder 4 Leute und trotzdem streichen sie uns noch Stunden. Das ist Missbrauch. Sie machen uns fertig." (aus dem Film)


http://de.labournet.tv/video/6609/wilder-streik-bei-walmart 

Aus Scham für Hamburg Türsteher bewacht Flüchtlinge Hotte Kriegel steht Wache vor der Hamburger St.-Pauli-Kirche. Nacht um Nacht wacht der frühere Kiez-Türsteher über den Schlaf der dort untergekommenen Flüchtlinge. Er schämt sich für seine Stadt.

http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Politik/d/3693564/tuersteher-bewacht-fluechtlinge.html

Wenn Hotte wütend ist, geht die Welt um ihn herum in Deckung. Und Hotte ist verdammt wütend in dieser Nacht, fast 1.00 Uhr, im Oktober, vor der Hamburger St.-Pauli-Kirche. Drinnen brennt Licht und es lässt sich nicht abschalten, weil niemand weiß, wer es wie eingeschaltet hat. Es ist Schlafenszeit für die afrikanischen Flüchtlinge, die in der Kirche Zuflucht gefunden haben und die der Türsteher Horst "Hotte" Kriegel seit vier Monaten beschützt. Aber so wird das nichts.
Hotte verschwindet in der Kirche, kommt zurück, flucht weiter und marschiert wieder rein. Zwei Helfer tauschen einen Blick. Zehn Minuten später hat der Hüne das Problem gelöst - einfach mal alles durchprobiert - und sitzt in seinem Gartenstuhl, dreht sich eine Zigarette, Gesichtszüge entspannt. Es geht ja nur darum, dass die Jungs in Frieden schlafen können.

Breite Schultern, Zigarette, Taschenlampe: Hier kommt niemand vorbei

Hotte passt auf die Flüchtlinge auf. Er schlichtet Streit, schließt ihnen das Eisentor auf und hinter ihnen wieder zu, kontrolliert die "Clubausweise". Er taxiert die Neugierigen am Eisentor des Kirchenplatzes, beobachtet Passanten. Er behält die Autos im Blick. 55 Jahre alt, ziemlich groß, Glatze, großer Kopf und dicker Hals auf breiten Schultern, Zigarette, Taschenlampe. Hier kommt niemand vorbei.
Seine Schützlinge sind die "Lampedusa-Flüchtlinge", die meisten kommen über Libyen aus Ghana und Mali. Männer, die Angst vor Hubschraubern haben, weil sie an den Krieg erinnern, erzählt er. Männer, die in Panik geraten, wenn sie von Polizisten an eine Wand gestellt werden, dann eingesperrt und befragt. Ein Zimmer, ein Deutschkurs und Liebe, sagt Hotte. Das fehlt ihnen zum guten Leben. "Hamburg verschwendet ein riesengroßes Potenzial", findet er. "Die machen Jagd auf die Jungs. Ich schäme mich für diese Stadt", sagt er mit Blick auf die Polizeikontrollen der vergangenen Tage.
Er patrouilliert regelmäßig um die Kirche, verscheucht Betrunkene, Neugierige, einmal zwei Kokser aus dem Zelt der Flüchtlinge. Es regnet ein wenig in dieser Nacht, und im Hafen jault eine Sirene. Sonst ist alles ruhig. Hotte öffnet das Zelt, hält die Plane hoch. Drinnen: zwei Kickertische, Fotos aus der Heimat und aus Hamburg mit lachenden Gesichtern, selbstgezimmerte Holzbänke der Flüchtlinge, gemalte Bilder - eine Kirche in Schwarz-Rot-Gold.
„Die machen Jagd auf die Jungs. Ich schäme mich für diese Stadt“
Horst Kriegel
Anfangs dachte er, die Flüchtlinge würden in Hamburg bedroht. Hotte hörte davon, dass sie in der Kirche leben, dass sie sich bedroht fühlen. Er sprach mit Pastor Sieghard Wilm, dann baute er sich vor der Kirche auf, von Mitternacht bis zum Morgen. Er ging nach Hause, schlief ein paar Stunden und kam wieder. Das war im Sommer. Hotte ist noch da. Nicht in jeder Nacht, aber fast, sitzt er in seiner Hütte und wacht über den Schlaf der jungen Afrikaner. Den Rest erledigt die "Doodle-Gang", handverlesene Helfer, die an Hottes Seite, seltener an seiner Stelle, Position beziehen.
Bedrohungen gibt es nicht. "Vielleicht weil wir hier sind, vielleicht auch nicht", er zuckt mit den Schultern, Gesicht reglos. Jedenfalls bleibt er. Warum eigentlich? "Es ist das Beste, das ich je getan habe." Bei Hotte heißt das was. Er hat Maßanzüge verkauft, irgendwann Ende der 70er Jahre. "Abends hab ich dann meine erste Tür gemacht." Er verkaufte Autos und Schmuck, er fuhr Kurier, er entwarf ein Café und ließ es auch bauen, er zog Touristen beim Billard ab. Er vermarktete Künstler, er tourte durch Europa. Die Flüchtlinge, sagt er, erinnern ihn daran, wie viel Glück er habe. "Eine Lektion in Demut."
Zurzeit verdient er sein Geld mit Sicherheit. Er passt auf Leute auf, die es sich leisten können und die es verdient haben. Manche haben es auch nur verdient, wie die Flüchtlinge, wie Opfer von Stalkern. "Das Leben ist eine Mischkalkulation."
Und sonst so? Hotte fährt Motorrad, einen schweren BMW-Tourer, seine große Leidenschaft. "Keine Familie, keine Frau, sonst ginge das hier gar nicht." Eine Frau hätte er aber gern wieder. Und eine neue Kuscheldecke, aber eine richtige, "Kamelhaar aufwärts". Und wenn er schon dabei ist, sich Dinge zu wünschen: "Die Hamburger könnten Patenschaften für Flüchtlinge übernehmen. Oder ihnen ein Zimmer geben. Das sind gute Jungs."

Rassistische Polizeikontrollen und Kriminalisierung der Flüchtlingshilfe sofort stoppen!

Bei polizeilichen Personenkotrollen wurden am Wochenende in St. Pauli und St. Georg 19 Flüchtlinge in Gewahrsam genommen, einer erkennungsdienstlichen Behandlung unterzogen, um sie in die Ausländerbehörde vorzuladen. Die Ziele des SPD-Senats sind offensichtlich: die Flüchtlinge sollen ab sofort registriert und abgeschoben werden, die zivilgesellschaftliche Solidarität und Hilfe von Flüchtlingsinitiativen, Nordelbischer Kirche und der Bezirksversammlung Altona für die Flüchtlingen soll gebrochen werden.

Angesichts der aktuellen Todesfälle von hunderten Flüchtlingen vor Lampedusa und der europäischen Diskussion um eine humane Flüchtlingspolitik ist diese repressive Abschiebungspolitik des Hamburger Senats zynisch und inhuman. Seit Monaten verweigern Bürgermeister Olaf Scholz und der SPD-Senat die dringend notwendige humanitäre Hilfe für die Flüchtlinge in Hamburg, die vor Erschöpfung und Obdachlosigkeit in der St. Pauli-Kirche und an anderen Orten in Hamburg Zuflucht gefunden haben und von vielen engagierten Menschen jeden Tag unterstützt werden.

Geradezu absurd und beschämend ist deshalb die Auffassung des SPD-Senats, dass die humanitäre Soforthilfe der Evangelischen Kirchen durch das Aufstellen von Wohncontainern für Flüchtlinge im Winter strafbar sei, wie es Innensenator Neumann auf seiner Homepage formuliert. Das Gegenteil ist der Fall: die Verantwortlichen in Senat und Behörden machen sich strafbar, wenn sie Menschen, die sich in Gefahr oder Not befinden, keine Hilfe leisten, obwohl diese erforderlich ist. Die Obdachlosigkeit der Flüchtlinge ist seit Monaten eine konkrete Gefahr für die Gesundheit und das Leben der Flüchtlinge.

http://www.die-linke-hamburg.de/politik/aktuell.html

Montag, 21. Oktober 2013

PRESSEERKLÄRUNG zur am 24.10.2013 stattfindenden Job-Messe im Terminal Tango auf dem Flughafen.

Am 24.10.2013 findet die nächste sogenannte „Jobmesse“ im alten Charterterminal und heutigen Airport Terminal Tango statt. Was Arbeitssuchende in diesem stilvoll gehaltenen Umfeld finden, sind erneut mehr als 100 Anbieter, meist aus der Zeitarbeitsbranche, die hier ihre Offerten machen.Dieser Begriff ist missverständlich, da die Arbeitssuchenden oft nicht freiwillig hier sind, um sich die angebotenen Arbeitsplätze anzusehen. Sie können vom Jobcenter unter Androhung von Sanktionen gezwungen werden, die Jobmesse zu besuchen. Die meisten Besucher kommen daher auch nur unter der Sanktionsbedrohung. Fast alle der hier offerierten Angebote sind zudem in der Leiharbeit und sind mit den damit verbundenen Nachteilen (Unsicherheit, schlechte Bezahlung, schlechte Arbeitsbedingungen, Zuweisung u.U. im Rahmen von übergeordneten Werkverträge etc.) für die Beschäftigten belastet. Die Partei DIE LINKE wird mit weiteren Bündnispartnern gegen diese Messe eine Kundgebung und Demonstration direkt zur Messezeit vor dem Terminal Tango veranstalten.

Hierzu erklärt der Versammlungsleiter Horst Schneider, Mitglied der Fraktion DIE LINKE in der Bezirksversammlung Altona folgendes:

„Die Menschen wollen keine solchen „Jobs“, wie sie auf dieser Veranstaltung angeboten werden. Die meisten der hier angebotenen Jobs sind in der Leiharbeit und
sind mit den damit verbundenen Nachteilen verbunden. Wir wollen stattdessen Angebote für reguläre, gut- und angemessen bezahlte unbefristete Beschäftigungsverhältnisse. Gleicher Lohn soll für für gleiche oder mindestens vergleichbare Arbeit gelten, egal ob Frau oder Mann. Ich rufe als Versammlungsleiter alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer dazu auf, die Leiharbeitsmesse/Jobmesse am Flughafen Hamburg am 24.10. mit friedlichen und gewaltfreien Aktionen zu begleiten und nach Möglichkeit die Besucherinnen und Besucher dazu einzuladen, den Erfolg der Messe durch ihr entsprechendes kritisches Verhalten einzuschränken. Wir werden gemeinsam der Messe bunt, lautstark und kreativ, aber eindeutig auch gewaltrei, entgegentreten.“

Zum Hintergrund:
Im Rahmen der Leiharbeit (Arbeitnehmerüberlassung, Zeitarbeit) stellt der Arbeitgeber den Arbeitnehmer für eine bestimmte Zeit eine Dritten zur Arbeitsleistung zur Verfügung. Der Arbeitgeber ist dabei der Verleiher (Zeitarbeitsunternehmen), der Dritte ist der Entleiher, der Arbeitnehmer ist der Leiharbeitnehmer.
Im Rahmen des Bezugs von Leistungen nach dem SGB II (Hartz-IV) wird die Leiharbeit bisher grundsätzlich als zumutbare Erwerbsarbeit angesehen. Voraussetzung ist, dass die gesetzlichen Regelungen des Arberitsnehmerüberlassungsgesetzes sowie etwaige tarifvertragliche Bestimmungen eingehalten werden. Für die Unzumutbarkeit (§ 10 Abs. 1 SGB II) einer Tätigkeit gelten die gleichen Kriterien wie bei sonstiger Erwerbsarbeit.

Im Gespräch: Inge Hannemann, freigestellte Job-Center-Mitarbeiterin und Whistleblowerin. Sie wird uns erklären wie es hinter den Kulissen in den Jobcentern zugeht. Sie kennt sich aus! Cornelia Kerth, Sozialwissenschaftlerin und Lehrerin, Bundesvorsitzende der VVN/BDA und Mitbegründerin der WASG 2005 in Hamburg und Horst Schneider, Sozialpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE. – BV Altona - am 06.11.2013 im ViaCafélier in der Paul-Dessau-Straße 6 (neben dem 25-Stunden-Hotel)



Zum Hintergrund:
Inge Hannemann: Auszüge aus taz.de von Gina Bucher
Sie ist zurzeit freigestellte Mitarbeiterin im Job-Center Altona. Hier betreute sie seit 2006 „schwer vermittelbare“ Jugendliche, davor arbeitete sie in einem baden-württembergischen Jobcenter, noch früher als Speditionskauffrau, Dozentin in der Erwachsenenbildung und Fachjournalistin. Freigestellt ist sie, seit im April ihre Kritik am System Hartz IV allzu laut wurde. Weil sie zum Beispiel behauptet, dass die 1-Euro-Jobs Ausbeuterjobs sind“, konkretisiert Inge Hannemann. Kritik, die sie nie verheimlichte, die sie aber auch nicht zurücknehmen wollte, als sie vom Arbeitgeber dazu aufgefordert wurde.

Im April 2011 fing die Arbeitsvermittlerin an, nach Feierabend harmlose Beiträge über Hartz IV und Arbeitsrecht, aber auch über persönliche Vorlieben zu schreiben. Ein Jahr später startete sie „altonabloggt“, ein offen kritisches Blog zu Hartz IV und den Missständen in den Jobcentern – natürlich steht im Impressum deutlich ihr Name.
Im Februar 2013 veröffentlichte sie dort einen Brandbrief an die Bundesagentur für Arbeit, indem sie die Besonderheit ihrer Position als interne Kritikerin nutzte, um entschieden auf ein Ende der Sanktionspraxis von Hartz IV hinzuwirken. Ihr Ziel ist die Wiedereinrichtung eines nicht antastbaren Existenzminimums und die Rückkehr zu einer Arbeitsvermittlung auf Augenhöhe. Ihr Engagement ist die logische Fortführung ihres bisherigen Lebens: „Ich bin keine Märtyrerin, ich bin einfach damit aufgewachsen, dass wir Demokratie und einen Rechtsstaat haben, wofür es sich zu kämpfen lohnt.“

Cornelia Kerth:
Ihr Motto: "Jedes Volk, jeder einzelne
hat ein Recht auf die Güter der Welt!"
Flugblatt der Weißen Rose, Januar 1943

Von Beruf ist sie ist Sozialwissenschaftlerin und Lehrerin. Außerdem Bundesvorsitzende der VVN/BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bunds der Antifaschisten).
2005 gehörte sie zu den GründerInnen der WASG in Hamburg.

In der Schüler- und Studentenbewegung und in der Mobilisierung gegen den Krieg in Vietnam Ende der 1960er Jahre wurde sie politisch aktiv. Seitdem hat sie sich mit den Grundlagen einer ungerechten Weltwirtschaftsordnung beschäftigt, die weltweit immer mehr Menschen ins Elend stürzt. Um dies zu ändern wurde sie zunächst Mitglied der SPD. Die rot-grüne Kriegspolitik gegen Jugoslawien war der letzte Grund für ihren Austritt.

Als die neoliberale Politik auch sozialdemokratischer Regierungen europaweit zum Erstarken neofaschistischer und rechtspopulistischer Kräfte geführt hatte, wurde deutlich, wie notwendig es ist, den Interessen der arbeitenden und arbeitslosen Menschen wieder Gehör zu verschaffen. Deshalb wurde sie 2005 Mitglied der WASG und dann der LINKEN.

Durch ihre Arbeit im Bildungs- und Sozialbereich hat sie die Veränderungen durch die Hartz-Gesetze und ihre katastrophale Wirkung für alle Betroffenen hautnah erlebt. Zurzeit arbeitet sie in der Beratungsstelle des Landesvereins der Sinti.

Sonntag, 20. Oktober 2013

Heiko Kuschel predigt hier über den Umgang mit Flüchtlingen und unseren, hier in Hamburg und speziell unseren Altonaer Lampedusa Flüchtlingen, im besonderen. Und über ganz besondere Menschen. Menschen denen man erst auf den zweiten Blick anmerkt das sie besonders sind. Auf der einen Seite, Hotte, der ein sehr besonderer Mensch ist und auf der anderen die Lampedusah- Flüchtlinge, die nun zu uns gehören. Kann Scholz toben wie er will. Auch sie sind besonders und gehören deshalb zu uns nach Altona.

http://www.citykirche-schweinfurt.de/predigt-lebt-in-der-liebe


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Gangsterläufer - Arte [Doku HD deutsch]


http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article121002489/Hauptdarsteller-von-Gangsterlaeufer-festgenommen.html


"Yehya El-Ahmad lebt seit mehr als zwei Jahrzehnten in Berlin. Deutschland möchte ihn abschieben, der Libanon will ihn nicht. Status: geduldet. Er darf kein Abitur machen, der Führerschein wird ihm verwehrt, arbeiten darf er auch nicht. Eine weitere Seite der Geschichte.
Der Berliner Regisseur Christian Stahl hatte Yehya El-Ahmad aus Neukölln über mehrere Jahre hinweg mit der Kamera begleitet und seine Geschichte dokumentiert. "Gangsterläufer" ist der Titel des Dokumentarfilms aus dem Jahr 2011. Der Film lief im Rahmen von Festivals und im Fernsehen. "Wenn Du einmal drinnen bist, dann kommst Du hier nur ganz schwer wieder raus", sagte Yehya El-Ahmad vor Jahren und meinte die Kriminalität und Neukölln. Und scheinbar hat der 24-jährige Recht behalten.
Wie erst am Donnerstag bekannt wurde, hat die Polizei bereits am Mittwoch acht Männer im Alter zwischen 19 und 27 Jahren festgenommen. Unter den Festgenommenen auch der Protagonist des Dokumentarfilms. Den Männern werden diverse Raubtaten vorgeworfen, darunter zwei Überfälle auf Geldboten, ein Raub in einer Wohnung sowie ein versuchter schwerer Raub auf einen Juwelier."


Was und wieviel muss sich ein Staat zurechnen lassen? Ein  Staat der bereit ist irrwitzige Summen  in Banken zu stecken. Aber Investitionen in Menschen? Fehlanzeige! Räume für junge Menschen in denen sie sich entwickeln können? Sehr, sehr selten. Es ist kein Geld da, so heißt es immer. Klar, steckt ja in Banken. So überlässt man Menschen sich selber und wundert sich dann hinterher wie es dazu kommen konnte. Wenn Menschen intensiv auffällig sind, so ist es nicht immer mit "Intensivtätern" gleichzusetzen. Intensivtäter ist hier, für mich, der Staat. Denn wider besseres Wissen nimmt er seine Aufgaben nicht wahr. Bildung, Ausbildung, Räume für junge, sich entwickelnde Menschen müssen geschaffen werden. Er hatte nie eine Chance, denn die sollte er ja auch nie haben. So könnte man es sehen und so sehe ich es.
Was und wieviel muss sich ein Staat zurechnen lassen, der Menschen im Stich lässt. Investitionen in Banken tätigt, sie stützt und jeden Cent in Kapital steckt, aber die Investition in die Kinder und Jugendlichen scheut. Räume in denen junge Menschen, Kinder und Jugendliche sich entwickeln können? Meistens Fehlanzeige. Wer ist der Leidtragende? Genau! Er ist am 17.10.2013 festgenommen worden. Wen hat sein Leben wirklich interessiert? Wer war wirklich da? Es ist leicht jemanden der intensiv auffällig ist, als Intensivtäter darzustellen. Frage ist: Wer ist eigentlich der Intensivtäter? Derjenige der im Stich gelassen wird, oder derjenige der im Stich lässt? Für mich ist diese Frage beantwortet.


Ein Gruß an Hamburg und Euch einen schönen Sonntag gewünscht! :-D

Innenministerium droht illegalen Einwanderern per SMS (http://www.sueddeutsche.de/politik/grossbritannien-innenministerium-droht-illegalen-einwanderern-per-sms-1.1798078)

"Bitte verlassen Sie das Land": Das Innenministerium in London fordert via SMS Migranten dazu auf, Großbritannien zu verlassen. Premierminister Cameron findet das völlig okay.
Im Sommer fuhren Werbe-LKW eine unfreundliche Botschaft auf Londoner Straßen spazieren. "Illegal in Großbritannien? Geht nach Hause oder euch droht Arrest", stand auf den Seitenflächen. Nach massiver Kritik setzt das britische Innenministerium nun auf eine scheinbar diskretere Form der Kontaktaufnahme - sie verschickt SMS.
Tausenden Migranten wurde eine Textnachricht aufs Mobiltelefon geschickt, mit der Aufforderung, das Land zu verlassen. "Nachricht vom Innenministerium: Unsere Unterlagen zeigen, dass Sie möglicherweise nicht das Recht haben, länger im Vereinigten Königreich zu bleiben", hieß es in den SMS-Nachrichten. 58.000 Menschen hat die Firma Capita angeschrieben, die vom Innenministerium mit der Durchführung der Aktion betraut wurde....

http://www.sueddeutsche.de/politik/grossbritannien-innenministerium-droht-illegalen-einwanderern-per-sms-1.1798078 

Samstag, 19. Oktober 2013

10. Herbstdemonstration am 19. Oktober 2013 in Berlin gegn Hartz-IV! Die Route der 10. Herbstdemonstration am 19.10.13 in Berlin Alexanderplatz – Karl-Liebknecht-Straße – Prenzlauer Allee –Chodowieckistraße – Winsstraße – Immanuelkirchstraße – Greifswalder Straße – Alexanderplatz

Redner bei der 10. Herbstdemonstration am 19. Oktober 2013 in Berlin


Bei der Abschlusskundgebung der 10. Herbstdemonstration auf dem Berliner Alexanderplatz gegen 14.30 Uhr sprechen Inge Hannemann, die als „Jobcenter-Rebellin“ bundesweit bekannt wurde, Lisa Gärtner/Vorsitzende des Jugendverbands REBELL, Brigitte Ziegler und Brigitte Gebauer vom Frauenverband Courage, Mirjam Gärtner von der Initiative für eine Umweltgewerkschaft, Stefan Engel/Parteivorstizender MLPD, Vertreter der Ortsgruppe Berlin von Solidarität International, Horst Schneider/LINKE Hamburg, ein Vertreter der ATIF (Föderation der Arbeiter aus der Türkei in Deutschland) und Vertreter der Bergarbeiterbewegung 'Kumpel für AUF'.

Zur Auftaktkundgebung wurden u.a. Redebeiträge der Montagsdemos Bochum, Gelsenkirchen, Lübeck, Saarbrücken, Braunschweig, Bremen und Reutlingen angemeldet. Außerdem spricht Jochen Schaaf von der Bürgerbewegung für Kryo-Recycling, Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz e.V. und Lutz Wilmering von der Mahnwache Kanzleramt zum Thema Atompolitik.
Zwischen den einzelnen Redebeiträgen auf den beiden Kundgebungen gibt es Lieder von verschiedenen Künstlern und Musikgruppen aus ganz Deutschland.



Route der 10. Herbstdemonstration am 19.10.13 in Berlin

Alexanderplatz – Karl-Liebknecht-Straße – Prenzlauer Allee –Chodowieckistraße – Winsstraße – Immanuelkirchstraße – Greifswalder Straße – Alexanderplatz

Das ist ein Job den ich nie machen würde, in Hamburg in der Ausländerbehörde.

Freitag, 18. Oktober 2013

Gibt es noch Sozialdemokraten?


Hamburg, den 18.10.2013 . Brief an den Innensenator der Stadt Hamburg der Schülerinnen und Schüler der Klasse 10b C/O Stadtteilschule am Hafen / Standort St. Pauli, Friedrichstraße 55, 20359 Hamburg.

Sehr geehrter Herr Michael Neumann,

Sie haben sicherlich schon mitbekommen, dass unsere Klasse, die 10b der Stadtteilschule am Hafen Standort St. Pauli, sich für die Flüchtlinge in der St. Pauli Kirche engagiert.

Wir haben kein Verständnis für die Umstände, die derzeit hier in Hamburg herrschen und wollen deshalb etwas dagegen unternehmen. Wir würden uns über Ihre Unterstützung freuen und Sie herzlich in unsere Klasse einladen, um noch einmal über die Lage der Flüchtlinge zu sprechen. Außerdem möchten wir, dass Sie sich die Lage vor Ort anschauen, damit Sie mit eigenen Augen sehen, wie wichtig unsere Hilfe ist. Momentan befinden sich 80 Flüchtlinge in der St. Pauli Kirche.

Das Wetter wird kühler und der Winter steht vor der Tür. Wir können uns das nicht weiter mit ansehen wie die vie!len Menschen dort auf so engem Raum leben müssen. Dem könnte man Abhilfe verschaffen, indem wir unsere Turnhalle von 22:00h bis 8 Uhr zur Verfügung stellen. Dort hätten die Menschen mehr Platz, Duschen, Toiletten, eine Heizung und einen sicheren Ort zum Schlafen.

Wir hoffen sehr, dass Sie erkennen, wie notwendig Ihre und unsere Hilfe ist.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit!

Mit freundlichen Grüßen,
die Klasse 10b.

Donnerstag, 17. Oktober 2013

Gerade habe ich auf openPetition eine Petition unterschrieben, die Euch interessieren könnte.

Unterzeichne auch du:

https://www.openpetition.de/petition/online/macht-die-turhalle-fuer-die-fluechtlinge-aus-der-st-paulikirche-auf

Ich habe unterschrieben, weil:

Die Kinder öffnen ihre Türen und der Senat, angeführt von Scholz, versucht Menschen die Türen vor der Nase zuzuschlagen. Wer Rassismus verhindern will, muss jungen Menschen Menschlichkeit vorleben. Hier ist es gwnau umgekehrt. Aber, es war doch nicht anders zu erwarten, bei einem ehemaligen Arbeitsminister unter Schröder, der mit die Armut per Gesetz geschaffen hat. Ein ehemaliger Hamburger Innensenator der mitverantwortlich ist für Brechmitteleinsätze gegen Menschen. Über Jugoslawien und Afghanistan mag ich hier schon gar nicht schreiben. Gysi hat gesagt:"Wir leben auf Kosten der Dritten Welt und wundern uns, wenn das Elend an die Tür klopft!"

Viele Grüße
Horst Schneider

Studie „Racial Profiling“ – Menschenrechtswidrige Personenkontrollen nach § 22 Abs. 1a Bundes­polizeigesetz: Empfehlungen an den Gesetzgeber , Gerichte und Polizei von Hendrik Cremer . Mit „Racial Profiling“ wird die Methode bezeichnet, das physische Erscheinungsbild, etwa Hautfarbe oder Gesichtszüge, einer Person als Entscheidungsgrundlage für polizeiliche Maßnahmen wie Personenkontrollen, Ermittlungen und Überwachungen heranzuziehen. In jüngerer Zeit ist diese Polizeipraxis infolge von Gerichtsverfahren verstärkt in die öffentliche Diskussion geraten. Kritik üben betroffene Einzelpersonen, Stimmen aus der Wissenschaft, Betroffenenorganisationen und Organisationen, die sich gegen Rassismus engagieren. Hingegen hat die Politik das Thema noch nicht recht aufgegriffen.

Ich hoffe, dass ich einen für Euch interessanten Link gefunden habe.

Weiterlesen? Klick.............

http://www.institut-fuer-menschenrechte.de/uploads/tx_commerce/Studie_Racial_Profiling_Menschenrechtswidrige_Personenkontrollen_nach_Bundespolizeigesetz.pdf

Häufig werden die kleinen Zeitungen als sogenannte "Käseblätter" geschmäht, aber ich persönlich habe in diesen sehr oft wirklich richtige Perlen gefunden. Hier ist wieder so eine Perle. Gefunden in: "Mittendrin", Nachrichtemagazin für Hamburg-Mitte. Manchmal ist es mit der Kopie einer Agenturmeldung einfach nicht getan. Manchmal lohnt es sich durchaus, am Geschehen teilzunehmen und genau hinzuschauen.

 
Kommentar zur Lampedusa-Demo in der Sternschanze am 16. Oktober 2013

Bei einer vom autonomen Kulturzentrum Rote Flora organisierten Protestaktion gegen die Flüchtlingspolitik des Hamburger Senats ist es am Abend zu Ausschreitungen gekommen […] PolizistInnen wurden mit Steinen, Flaschen und Feuerwerkskörpern beworfen, die BeamtInnen setzten Pfefferspray ein. Moment. Kommen ihnen diese Zeilen bekannt vor? Wahrscheinlich haben sie diesen Text genau so inzwischen schon in diversen Medien gelesen.

Beschrieben wird die vermeintlich ganz gewöhnliche Szenerie einer Demonstration im Schanzenviertel, wie immer versehen mit einem klaren Freund-/Feind-Schema. Dazu natürlich das passende Bild: Schwarzvermummte Gestalten, Wurfgeschosse, rote Leuchtfeuer. Die Botschaft: Sinnloser Krawall und blinde Aggression linker Chaoten – das kennt man ja.
Doch so bequem es auch sein mag: Manchmal ist es mit der Kopie einer Agenturmeldung einfach nicht getan. Manchmal lohnt es sich durchaus, am Geschehen teilzunehmen und genau hinzuschauen.

Was also ist passiert, gestern Abend in der Sternschanze?

An die 1000 Menschen versammeln sich rund um die Rote Flora (Hier geht es zum Liveticker der Ereignisse). Ein Feuerwerkskörper wird in die Luft geschossen und gibt den Startschuss. Der Demonstrationszug setzt sich langsam in Bewegung, Parolen werden ausgerufen, Plakate hochgehalten, es ist laut, angespannt, vorne fliegen Böller. Dann findet der Marsch zunächst ein jähes Ende. Ein massives Polizeiaufgebot steht den DemonstrantInnen entgegen. Reiterstaffel von rechts, Wasserwerfer von links, die Menschen sind umzingelt, Verwirrung und Panik machen sich breit. Simpel und immer wieder effektiv: Der Hamburger „Kessel“, der jedes Aufbegehren im Keim erstickt und unsichtbar machen soll.

Die Situation wird unübersichtlich und aggressiv, es fliegen Steine (anwesende FotografInnen sollten bitte jetzt auf den Auslöser drücken!).

Tatsächlich war der Aufruf zur Demonstration aggressiv – „man wolle sich nicht auf legale Protest-Formen beschränken“, hieß es aus dem Umfeld der Roten Flora. Eine Formulierung, die übrigens auch Sitzblockaden, spontane Besetzungen oder eben eine nicht angemeldete Demonstration meint.

Angesichts der Szenen, die ich und viele andere KollegInnen gestern beobachten konnten, kann ich mich über die undifferenzierte Berichterstattung nur wundern:
Unter den „1000 Linksautonomen“ waren auch viele bürgerliche UnterstützerInnen und SympathisantInnen der Lampedusa-Flüchtlinge zu erkennen. 95 Prozent der DemonstrantInnen haben sich friedlich verhalten. Demgegenüber wurde die Polizeipräsenz in ihrer Masse als völlig unverhältnismäßig und provozierend wahrgenommen. Zeugenaussagen vor Ort und zahlreiche Stellungnahmen von Aktiven, PolitikerInnen und JournalistInnen etwa via Twitter sprechen da für sich und bilden gerade eine breite Gegenöffentlichkeit, die der Darstellung in vielen Medien völlig widerspricht.

Wenn bereits nach fünf Minuten Reizgas und Reiterstaffel eingesetzt werden, wenn ein Großteil der DemonstrantInnen stundenlang festgesetzt wird, JournalistInnen von taz und Spiegel Online mit Festnahmen gedroht werden, wenn die Polizei ihre eigenen Kollegen mit der Durchsage “Provozierende Kollegen bitte zurückhalten” zur Raison bringen muss, sollte dann nicht auch die Frage nach der Verhältnismäßigkeit dieses Einsatzes gestellt werden? Wenn SPD-Mitglieder vor dem Hintergrund dieser Eindrücke am nächsten Tag ihren Parteiaustritt verkünden und auch BezirkspolitikerInnen das St. Pauli-Manifest „Wir sind mehr“ unterzeichnen, wie ist es dann möglich eine breite und vielfältige soziale Bewegung auf „radikale Autonome“ und „Krawall“ zu beschränken? Auch die gestrigen Ereignisse rechtfertigen eine derart eingeschränkte Darstellung nicht.

Wer sich einmal die Mühe gemacht hat und die HelferInnen der in Hamburg gestrandeten 
Flüchtlinge bei ihrer alltäglichen Arbeit begleitet, weiß: Die Unterstützung kommt aus allen Gesellschaftsbereichen. Zahlreiche renommierte Restaurants, mittelständische Betriebe oder die Rentnerin von nebenan solidarisieren sich und unterstützen die Refugees täglich mit Spenden. Nur die Wenigsten bekennen sich öffentlich dazu, aus Angst vor Repressionen – eigentlich schon bezeichnend genug. Und so erfüllt der bewusst eskalierte Zusammenstoß mit jenen, die noch offen auf die Straße gehen, schließlich seinen Zweck: Das Ringen um die Zukunft der Lampedusa-Flüchtlinge gerät in den Hintergrund, ein gesellschaftliches Stimmungsbild wird ignoriert, die Stadt inszeniert sich einmal mehr als Ordnungshüterin. So muss es wohl gewesen sein – schließlich steht’s ja so in der Zeitung.
Die Autorin war am Dienstag Zeuge der Ereignisse in der Sternschanze. 
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